
Wettbewerbsanalyse
Teil von Preisanalyse im Markt: Methoden für Preisfindung und Wettbewerbsvergleich
Preisanalyse im Markt mit Van Westendorp oder Gabor-Granger
Van Westendorp oder Gabor-Granger: Vergleich der Preismethoden nach Eignung, Frageform, Auswertung, Stichprobe und Beispielbudget in Euro, inkl. 19 % MwSt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Van Westendorp erhebt vier offene Preisfragen je Person und liefert das akzeptable Preisfenster, den optimalen Preis und den Indifferenzpreis.
- Gabor-Granger fragt Kaufabsichten zu vorgegebenen Preisen ab und ergibt eine Nachfragekurve je Preispunkt.
- Beide Verfahren lassen sich in einer Erhebung kombinieren; die Unterschiede liegen in Frageform, Stichprobenbedarf und Auswertung.
- Beispielrechnung 2025rund 5.400 Euro netto für Van Westendorp, 7.800 Euro netto für Gabor-Granger, jeweils zzgl. 19 % MwSt.
Eignung: Preisfenster oder Absatzprognose
Van Westendorp eignet sich, wenn der Preis noch offen ist und ein Korridor gesucht wird. Die vier Fragen nach zu billig, billig, teuer und zu teuer ergeben zwei Schnittpunkte: den optimalen Preis und den Indifferenzpreis. Das Ergebnis ist eine Spanne, kein einzelner Zielpreis.
Van Westendorp vs. Gabor-Granger
Van Westendorp
- Einsatz
- Preis offen, Korridor
- Ergebnis
- Preisfenster, Spanne
- Antwortlast
- mittel bis hoch
- Grenze
- kein einzelner Zielpreis
Gabor-Granger
- Einsatz
- Preispunkte zur Wahl
- Ergebnis
- Nachfragekurve, Absatz
- Antwortlast
- niedrig bis mittel
- Grenze
- nur getestete Preise
Gabor-Granger eignet sich, wenn mehrere Preispunkte zur Wahl stehen. Befragte geben zu jedem vorgegebenen Preis an, ob sie kaufen würden. Aus den Anteilen entsteht eine Nachfragekurve und damit eine Absatzschätzung je Preis.
Die Antwortlast unterscheidet sich. Van Westendorp verlangt frei genannte Preise und ist kognitiv anspruchsvoller. Gabor-Granger bindet weniger Denkarbeit, liefert aber Aussagen nur zu den getesteten Preisen.
Beide Verfahren liefern Durchschnitte über die Stichprobe. Für Segmente, Kanäle oder Bündelpreise sind sie zu grob; dort arbeiten Marktforscher mit Choice-Modellen oder Conjoint-Analysen.
Frageform und Auswertung im Vergleich
Van Westendorp
- Frageform
- vier offene Preisfragen
- Preise vorgegeben
- nein
- Zentrales Ergebnis
- Preisfenster und Schnittpunkte
- Antwortlast
- mittel bis hoch
- Auswertungsaufwand
- Kurven und Schnittpunkte
Gabor-Granger
- Frageform
- Kaufabsicht je vorgegebenem Preis
- Preise vorgegeben
- ja
- Zentrales Ergebnis
- Nachfragekurve je Preis
- Antwortlast
- niedrig bis mittel
- Auswertungsaufwand
- Anteile und Umsatz je Preis
Van Westendorp liefert Verteilungen über genannte Preise. Daraus entstehen kumulierte Kurven, aus denen sich die Schnittpunkte ablesen lassen. Gabor-Granger liefert Häufigkeiten: Wie viele Befragte kaufen bei 19,99 Euro, wie viele bei 24,99 Euro.
Frageform und Auswertung
Van Westendorp
- Frageform
- vier offene Preisfragen
- Preise vorgegeben
- nein
- Zentrales Ergebnis
- Preisfenster, Schnittpunkte
- Auswertung
- kumulierte Kurven
- Preisbezug
- absolute Beträge
Gabor-Granger
- Frageform
- Kaufabsicht je Preis
- Preise vorgegeben
- ja
- Zentrales Ergebnis
- Nachfragekurve je Preis
- Auswertung
- Anteile und Umsatz
- Preisbezug
- relative Anteile
Ein weiterer Unterschied liegt im Preisbezug. Van Westendorp fragt nach einem Produkt ohne Preisanker und liefert absolute Beträge. Gabor-Granger testet vorgegebene Beträge und liefert relative Anteile, die ohne die getesteten Preisstufen nicht interpretierbar sind.
Die Auswertung von Gabor-Granger ist rechnerisch einfacher, die Kaufabsicht bleibt hypothetisch. Beide Verfahren messen Bekundungen, keine beobachteten Käufe. Für Preisvergleiche über Märkte hinweg beschreibt die harmonisierte Methodik der Preiserhebung von Eurostat, wie Warenkörbe und Preise vergleichbar erhoben werden.
Stichproben und Datenqualität
Für die Beispielrechnung unten sind 400 Interviews bei Van Westendorp und 500 bei Gabor-Granger angesetzt. Das ist eine Planungsannahme, kein Normwert. Entscheidend sind Besetzung je Zelle und je Zielgruppe.
Bei Gabor-Granger steigt der Interviewbedarf mit der Zahl getesteter Preise. Werden Preisstufen zwischen Gruppen rotiert, muss jede Stufe ausreichend besetzt sein. Bei Van Westendorp genügt eine ausreichende Zahl offener Antworten je Segment.
Wer die eigene Preisspanne gegen die allgemeine Teuerung einordnen will, nutzt die Verbraucherpreisindizes des Statistischen Bundesamtes.
Beispielrechnung: Kosten in Euro, Stand 2025
Die folgende Rechnung ist eine eigene Kalkulation für ein Konsumgut mit einer Zielgruppe und einem Erhebungsland. Sie ist keine Marktpreisstatistik.
Beispielrechnung: Kosten in Euro
Van Westendorp
- Konzeption und Programmierung
- 1.200 €
- Feldarbeit 400 bzw. 500 Interviews
- 2.400 €
- Auswertung und Bericht
- 1.800 €
- Summe netto
- 5.400 €
- Summe brutto inkl. 19 % MwSt.
- 6.426 €
Gabor-Granger
- Konzeption und Programmierung
- 2.000 €
- Feldarbeit 400 bzw. 500 Interviews
- 3.000 €
- Auswertung und Bericht
- 2.800 €
- Summe netto
- 7.800 €
- Summe brutto inkl. 19 % MwSt.
- 9.282 €
Werden beide Verfahren in einer Erhebung kombiniert, entfällt eine Feldarbeit. Die zusätzliche Programmierung kostet nach dieser Kalkulation etwa 900 Euro netto.
Bei kleiner Stichprobe sinken die Feldkosten überproportional. Eine Studie mit 200 Interviews je Verfahren kostet nach dieser Kalkulation etwa 4.200 Euro netto für Van Westendorp und 6.000 Euro netto für Gabor-Granger.
Standards, Verbände und rechtlicher Rahmen
GESIS, das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, dokumentiert Erhebungsinstrumente und Skalen, die als Vorlage für Preisfragen dienen können. ESOMAR, der Weltverband der Markt- und Sozialforschung, setzt mit dem ICC/ESOMAR-Kodex Standards für Erhebung und Berichterstattung.
Für automatisierte Auswertungen kommt der rechtliche Rahmen hinzu. Die Verordnung (EU) 2024/1689 regelt den Einsatz von KI-Systemen und ist relevant, wenn Antworten oder Preisprognosen automatisiert erzeugt werden.
Fragebogen, Preislatte und Ausschöpfung gehören in die Dokumentation, damit Ergebnisse später nachvollziehbar bleiben.
Häufige Fragen
Wann ist Van Westendorp die bessere Wahl?
Wenn der Preis noch offen ist und ein Korridor statt eines einzelnen Wertes gebraucht wird. Das Verfahren liefert Untergrenze, Obergrenze und zwei Schnittpunkte. Bei bereits diskutierten Preispunkten ist Gabor-Granger direkter.
Wie viele Interviews sind nötig?
Die Beispielrechnung setzt 400 und 500 abgeschlossene Interviews je Zielgruppe an. Bei Gabor-Granger wächst der Bedarf mit der Zahl getesteter Preisstufen, weil jede Stufe besetzt sein muss.
Lassen sich beide Methoden kombinieren?
Ja. Üblich ist, die offenen Fragen zuerst zu stellen und die Preisvorgaben danach, damit genannte Preise nicht beeinflusst werden. Die Feldarbeit lässt sich in einer Erhebung teilen.
Warum ersetzt Gabor-Granger keine Absatzplanung?
Das Verfahren misst Kaufabsichten, keine Käufe. Preisdurchsetzung, Handelsspannen und Reaktionen der Wettbewerber bleiben offen. Für belastbare Mengen sind Verkaufsdaten nötig.



