Wettbewerbsanalyse
Teil von Wettbewerbsanalyse Methoden: Leitfaden für systematische Marktvergleiche in Deutschland
Wettbewerbsanalyse Methoden als Checkliste für monatliches Monitoring
Wettbewerbsanalyse Methoden als Checkliste: Datenquellen, Wettbewerberauswahl, Kennzahlen, Monatszyklus und Dokumentation mit Terminen und Quellen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Feste Datenquellen, sechs Wettbewerber und fünf Kernkennzahlen bilden das Gerüst des Monitorings.
- Erhebung bis zum dritten Werktag, Auswertung bis zum achten, Freigabe bis zum zehnten Werktag.
- Die Wettbewerberliste wird quartalsweise geprüft, alle Kennzahlen monatlich fortgeschrieben.
- Jede Änderung erhält Datum, Quelle, Fundstelle und Bearbeiterkürzel.
- Rechtliche Grundlagen liefern das EU-Kartellrecht und die amtliche Statistik von Bund und Europäischer Union.
Prüfpunkte für Datenquellen
Beginnen Sie mit amtlichen Quellen, weil sie kostenlos, zitierfähig und planbar verfügbar sind. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Konjunktur-, Preis- und Branchendaten, die als Bezugsrahmen für eigene Erhebungen dienen (Themen Wirtschaft beim Statistischen Bundesamt). Für Preisvergleiche über Ländergrenzen hinweg gilt die harmonisierte Methodik von Eurostat, die Warenkorb und Gewichtung festlegt (HICP-Methodik von Eurostat).
Arbeiten Sie diese Liste einmal vollständig ab und haken Sie jeden Punkt im Monatsprotokoll ab:
- Amtliche Statistik: monatlich zum Monatsanfang, Destatis und Eurostat.
- Registerdaten: Bundesanzeiger und Unternehmensregister, quartalsweise nach der Abschlussveröffentlichung.
- Direkte Quellen: Preislisten, Produktseiten und Stellenanzeigen, wöchentlich als Stichprobe.
- Verbände und Kammern: DIHK-Themenfelder für Branchenlage und Regulierung, monatlich.
- Eigene Vertriebsdaten als Gegenprobe zu öffentlichen Angaben, monatlich.
Fällt eine Quelle aus, notieren Sie das im Protokoll und nutzen Sie die Ersatzquelle aus dem Vorquartal. So bleibt die Zeitreihe vergleichbar. Kontrollieren Sie am Monatsende, ob alle fünf Quellengruppen vorliegen. Fehlende Angaben markieren Sie als Lücke statt sie zu schätzen.
Wettbewerberauswahl und Kennzahlen
Die Auswahl folgt drei Kriterien: gleiche Kundengruppe, vergleichbares Sortiment, sichtbarer Marktauftritt. Nehmen Sie höchstens sechs Wettbewerber auf, drei direkte und drei indirekte. Die Abgrenzung des relevanten Marktes orientiert sich am Wettbewerbsrecht der Europäischen Union, das Verordnungen und Leitlinien bündelt (Kartellrecht der Europäischen Kommission).
Jede Kennzahl erhält Quelle, Rhythmus und eine verantwortliche Person:
| Kennzahl | Quelle | Rhythmus |
|---|---|---|
| Listenpreis je Produktlinie | Preisseiten, Angebotsanfragen | monatlich |
| Rabatt- und Aktionsquote | Vertriebsdaten, Aktionen | monatlich |
| Sortimentsumfang und Neuheiten | Produktkatalog | monatlich |
| Sichtbarkeit in Suchergebnissen | eigene Stichprobe | monatlich |
| Umsatz und Personal | Bundesanzeiger, Stellenanzeigen | quartalsweise |
Ablauf des Monatszyklus
- Werktag eins bis drei: Datenabzug aus Statistik, Registern und Beobachtungsliste, Ablage im Monatsordner.
- Werktag vier und fünf: Preis-, Sortiments- und Aktionsvergleich, Eintrag in die Vergleichstabelle.
- Werktag sechs bis acht: Kennzahlen berechnen, Abweichungen über fünf Prozent markieren und kommentieren.
- Werktag neun und zehn: Freigabe im Jour fixe, Maßnahmen mit Frist und Zuständigkeit festhalten.
- Letzter Werktag: Änderungslog schließen und Monatsbericht versionieren.
Quartalsweise kommen zwei Aufgaben hinzu: die Prüfung der Wettbewerberliste und der Abgleich der Marktabgrenzung. Beide erledigt die Person, die auch den Monatsbericht freigibt.
Dokumentation und Zuständigkeiten
Legen Sie für jeden Monat einen Ordner mit einheitlichem Namen an, etwa monitoring-2025-03. Darin liegen Rohdaten, Vergleichstabelle, Änderungslog und Freigabevermerk. Der Änderungslog enthält je Zeile das Datum, die Quelle mit Fundstelle, den alten und den neuen Wert sowie das Kürzel der bearbeitenden Person.
Verantwortlichkeiten verteilen sich auf drei Rollen: Erhebung, Auswertung, Freigabe. Wer erhebt, darf nicht freigeben. Der Freigabevermerk enthält Datum, Namenskürzel und die Zahl der offenen Prüfpunkte. Bewahren Sie die Monatsordner mindestens drei Jahre auf, damit Zeitreihen und Preisverläufe nachvollziehbar bleiben. Ein Zugriffsrecht erhalten Erhebung, Auswertung und Leitung.
Zeitaufwand je Monat
Rechnen Sie mit etwa neun Arbeitsstunden pro Monat für sechs Wettbewerber:
- Erhebung und Ablage: vier Stunden, Werktag eins bis drei.
- Auswertung und Kommentierung: drei Stunden, Werktag sechs bis acht.
- Freigabe und Maßnahmenplanung: eine Stunde, Werktag neun und zehn.
- Dokumentation und Archivierung: eine Stunde, letzter Werktag.
Bei mehr als sechs Wettbewerbern steigt der Aufwand je zusätzlichem Wettbewerber um rund eine Stunde. Planen Sie zusätzlich eine Stunde pro Quartal für die Prüfung der Wettbewerberliste ein.
Häufige Fragen
Wie oft müssen Registerdaten geprüft werden?
Jahresabschlüsse erscheinen einmal jährlich, Zwischenmitteilungen unregelmäßig. Prüfen Sie den Bundesanzeiger quartalsweise und tragen Sie neue Werte in die Vergleichstabelle ein.
Was gehört in den Änderungslog?
Datum, Quelle mit Fundstelle, alter Wert, neuer Wert, Begründung und Namenskürzel. Ohne Fundstelle gilt eine Änderung als unbelegt und wird nicht übernommen.
Wie viele Kennzahlen sind sinnvoll?
Fünf bis sieben. Mehr Kennzahlen erhöhen den Pflegeaufwand, ohne die Aussagekraft zu verbessern. Streichen Sie jede Kennzahl, die keine Entscheidung auslöst.
Wer gibt den Monatsbericht frei?
Die Leitung Marktbeobachtung oder eine benannte Vertretung. Erhebung und Freigabe bleiben getrennt.
Gilt das Monitoring auch für Preise im EU-Ausland?
Ja. Nutzen Sie für Preisvergleiche die harmonisierte Methodik von Eurostat, damit Warenkorb und Gewichtung zwischen den Ländern vergleichbar bleiben.