Wettbewerbsanalyse
Teil von Wettbewerbsanalyse Methoden: Leitfaden für systematische Marktvergleiche in Deutschland
Wettbewerbsanalyse Methoden im Vergleich: Porters Five Forces oder SWOT
Five Forces und SWOT im Vergleich: Ziel, Datenbedarf, Zeitaufwand, Kosten und Aussagekraft, dazu PESTEL, Benchmarking und Szenarioanalyse als Alternativen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Five Forces bewertet die Struktur einer Branche, SWOT die Position eines Unternehmens darin.
- PESTEL, Benchmarking und Szenarioanalyse ergänzen beide Verfahren, ersetzen sie aber nicht.
- Five Forces braucht Marktdaten, SWOT überwiegend internes Wissen aus dem eigenen Haus.
- Zeitaufwand und Kosten hängen stärker von der Datenlage ab als von der Methode.
Wofür die einzelnen Verfahren stehen
Five Forces geht auf Michael E. Porter zurück. Er veröffentlichte das Modell 1979 in der Harvard Business Review. Die fünf Kräfte sind Rivalität unter bestehenden Anbietern, Bedrohung durch neue Anbieter, Substitute sowie die Verhandlungsmacht von Lieferanten und Abnehmern.
SWOT stammt aus der Strategielehre der Harvard Business School der 1960er Jahre und ordnet Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken in vier Feldern. Stärken und Schwächen beschreiben das Unternehmen, Chancen und Risiken sein Umfeld.
Drei weitere Methoden tauchen in Wettbewerbsberichten regelmäßig auf: PESTEL, Benchmarking und Szenarioanalyse. PESTEL erfasst politische, wirtschaftliche, soziale, technologische, ökologische und rechtliche Rahmenbedingungen. Benchmarking vergleicht eigene Kennzahlen mit ausgewählten Wettbewerbern, die Szenarioanalyse rechnet zwei bis vier Zukunftsbilder durch.
Five Forces erklärt den Margendruck einer Branche, SWOT die Position eines Unternehmens. PESTEL liefert die Rahmendaten, die Szenarioanalyse die Bandbreite möglicher Entwicklungen.
Vergleich nach fünf Kriterien
| Kriterium | Porters Five Forces | SWOT |
|---|---|---|
| Ziel | Attraktivität und Margendruck einer Branche | Position und Handlungsfelder eines Unternehmens |
| Datenbedarf | Marktanteile, Kapazitäten, Preise, Lieferanten- und Abnehmerstruktur | interne Kennzahlen, Kunden- und Wettbewerbswissen |
| Zeitaufwand | wenige Tage bis mehrere Wochen | ein bis zwei Workshops mit Vorbereitung |
| Kosten | Personalzeit plus Marktstudien und Branchenreports | überwiegend Personalzeit |
| Aussagekraft | strukturell, über Anbieter hinweg vergleichbar | breit, ohne Gewichtung schwer priorisierbar |
Wie sich PESTEL, Benchmarking und Szenarioanalyse einordnen
| Methode | Ziel | Datenbedarf | Zeitaufwand | Aussagekraft |
|---|---|---|---|---|
| PESTEL | Umfeld und Regulierung eines Marktes | Gesetzestexte, Statistiken, Technologietrends | zwei bis fünf Arbeitstage | breit, ohne Wettbewerbsbezug |
| Benchmarking | Abstand zu ausgewählten Wettbewerbern | Kennzahlen der Vergleichsunternehmen | vier bis acht Wochen | präzise, aber auf die Vergleichsgruppe begrenzt |
| Szenarioanalyse | Bandbreite künftiger Marktentwicklungen | Annahmen zu Preisen, Mengen, Regulierung | zwei bis drei Workshops | qualitativ, keine Punktprognose |
PESTEL ist die günstigste Ergänzung, weil öffentliche Quellen meist ausreichen. Benchmarking wird teuer, sobald Kennzahlen nicht öffentlich zugänglich sind. Keine der drei Methoden beantwortet die Frage nach dem Margendruck einer Branche.
Zeitaufwand und Kosten im Detail
Eine Five-Forces-Analyse aus öffentlichen Quellen ist in wenigen Arbeitstagen erstellt. Sobald Kapazitäten, Preise und Lieferantenkonditionen erhoben werden müssen, dauert sie mehrere Wochen. Eine SWOT kostet vor allem Arbeitszeit im Haus.
Beispielrechnung: zwei Personentage für die SWOT und fünf für Five Forces ergeben bei 500 Euro internem Tagessatz 3.500 Euro. Dazu kommt ein Branchenreport für 4.000 Euro netto zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer. In Summe stehen 7.500 Euro für einen Wettbewerbsbericht.
Datenquellen für deutsche Branchen
Für die Einordnung einer Branche liefert das Statistische Bundesamt Umsatz, Beschäftigte und Betriebsgrößen nach Wirtschaftszweigen. Branchenbilder und Einschätzungen zum Mittelstand bündeln die Themenfelder der Industrie- und Handelskammern.
Preisniveau und Konditionen lassen sich über Ausschreibungen, Listenpreise und Rabattstaffeln eingrenzen, vollständig sind diese Angaben selten. Für das Benchmarking sind Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger die erste Anlaufstelle.
Beispiele aus deutschen Branchen
Bei Automobilzulieferern zeigt die Five-Forces-Analyse hohe Rivalität, starke Abnehmermacht der Fahrzeughersteller und Substitutionsdruck durch alternative Antriebe. Im Lebensmitteleinzelhandel erklären Abnehmermacht und Preiswettbewerb die dünnen Margen besser als eine reine Stärken-Schwächen-Liste.
Im Maschinenbau trifft eine SWOT das einzelne mittelständische Unternehmen, während Five Forces das Branchenbild liefert. Die Innovationsthemen des DIHK ordnen den technologischen Druck ein, unter dem Zulieferer und Anlagenbauer stehen.
Für regulierte Märkte wie Energie und Telekommunikation lohnt der Blick auf die Wettbewerbspolitik des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, etwa Fusionskontrolle und Missbrauchsaufsicht. Ein PESTEL-Raster macht dort das regulatorische Umfeld sichtbar, eine Szenarioanalyse die Wirkung neuer Auflagen.
In fünf Schritten zur passenden Methode
- Leitfrage festlegen: Geht es um Branchenrenditen, um die eigene Position oder um Zukunftsbilder?
- Datenlage prüfen: Welche Markt-, Preis- und Kundeninformationen liegen bereits vor?
- Aufwand festlegen: Wie viel Zeit und Budget stehen für externe Daten bereit?
- Methode wählen: Five Forces für Branchenrenditen, SWOT für die eigene Position, PESTEL für das Umfeld, Benchmarking für den Abstand zur Konkurrenz.
- Ergebnisse verbinden: Chancen und Risiken aus Branchenanalyse und Szenarien in die SWOT übernehmen.
Häufige Fragen
Reicht eine SWOT für den Wettbewerbsbericht?
Für einen internen Strategieworkshop ja. Für Aussagen über Margendruck und Branchenattraktivität fehlt die Vergleichsbasis, weil SWOT jedes Unternehmen für sich betrachtet.
Wann ist PESTEL die bessere Wahl?
Wenn Regulierung, Technologie oder Nachfrageverhalten den Markt verschieben und öffentliche Quellen dafür genügen. Margendruck und Wettbewerbsintensität bleiben außen vor.
Lassen sich Five Forces und SWOT kombinieren?
Ja. Die Branchenanalyse liefert das Umfeld, aus dem sich Chancen und Risiken ableiten lassen. Stärken und Schwächen stammen aus internen Kennzahlen.